Das Gängeviertel in der ersten Hälfte des 20. JahrhundertsEntdeckungs-Tour im Gängeviertel der Neustadt

Noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts erstreckte sich das Gängeviertel vom Hafen über die Neustadt bis tief hinein in die Hamburger Innenstadt. Tausende Arbeiterfamilien waren hier zu Hause. Doch auf die mangelhaften hygienischen Zustände in den engen Gassen, kannte die Obrigkeit über Jahrzehnte hinweg nur eine Antwort: Abriss, immer wieder Abriss und entschädigungslose Vertreibung der Bewohnerinnen und Bewohner! Wertsteigerung schien hier nur denkbar durch Neubau vagabundierender Immobilienverwerter. Nur ein ganz kleines Stück des alten Gängeviertels konnte diesen 100-jährigen Kahlschlag und die Zerstörungen im zweiten Weltkrieg überstehen.

Doch um so wichtiger: Unser Spaziergang soll die Geschichte dieses alten Viertels ein Stück weit wieder lebendig machen. Seine Vielfalt, sein pulsierendes Leben, das heute eher am benachbarten Großneumarkt noch anzutreffen ist. Dort in der Nähe des Markts wird unser Rundgang an einem Schaumodell beginnen. Kurze Zeit später sind wir dann am Markt. Schon dort laufen wir an imposanten historischen Gebäuden vorbei, die uns viel zur Geschichte und Gegenwart des kleinen Stadtteils erzählen. Reste des alten Gängeviertel treffen wir später in Höhe des Bäckerbreitergang und der Caffamacherreihe. Viele Anekdoten und Geschichten dieses rätselhaften Pflasters werden wieder spürbar.

Geprägt ist die Neustadt auch durch viel Prominenz. Wir suchen Spuren und finden solche des Philosophen Arthur Schopenhauer, der Mendelsohngeschwister, des Komponisten Johannes Brahms. Auch die von Schriftstellern und Theologen, wie etwa Wolfgang Borchert oder Dietrich Bonhoeffer. Arbeiterviertel und Intellektuelle? Hier im Viertel, wo einst das Zentrum jüdischen Lebens für Hamburg lag, kein Gegensatz! Doch in der Weimarer Republik als „Klein-Moskau“ verschrien – hier hatte die KPD zeitweilig ihre lokale Hochburg – war weiterer Abriss damit angesagt. Die Nazis nannten solche Abrissaktionen „Gesundungsmaßnahmen“ zur Vertreibung der ihnen politisch unangenehmen Bevölkerung. 12.000 Menschen wurden auf einem Schlag vertrieben. Viel besorgte dann auch der Krieg.

GrossneumarktbrunnenTrotzdem: Das Viertel ist nach wie vor schön und sehenswert. So z.B. die Gegend rund um den Großneumarkt. Sie entwickelte sich seit den 50er Jahren zu einem Zentrum besonders lebhafter Kneipen- und Klubkultur. Hier liegt seit Jahrzehnten der Cotton Club, einer der berühmtesten Jazzkeller Hamburgs. Jahrzehntelang gab es das Schwenders, wo zum Essen eine besondere lebendige Form klassischer Live-Musik zu Hause war. Und selbst die Currywurst soll in diesem Viertel einst das Licht ihres Lebens erblickt haben …

Erhaben dann das alte Barockhaus des Brahmsmuseums, erbaut schon im 18. Jahrhundert. Auch das Geburtshaus des großen Komponisten steht auf unserem Rundgang-Programm, mit dem wir an zahlreichen Kunstgalerien vorbeikommen werden. Ganz alte Stadtplanungspolitik wird an den „Hütten“ wieder lebendig. An den alten Wallanlagen liegend, markierten sie einst ein westlich gelegenes Bollwerk für Hamburg. Eher dunkel ihr Missbrauch in der Nazizeit …

Unser Rundgang ist voller spannender Kontraste. Auch in den Resten des alten Gängeviertels, wo sich heute eine bunte Künstlerszene tummelt. Eigennutz ist da mal Gemeinnutz, denn ihre Anwesenheit verhindert, dass auch dieses kleine alte Stück Hamburg „gentrifiziert“, also durch Abriss „aufgewertet“ wird. Allein schon deshalb lohnt ein Besuch! Denn jede und jeder, der sich dafür interessiert, stärkt die Nutzer und schwächt den Abrisshammer! Besteht dann noch Lust, mag die Einkehr in ein schönes Lokal unseren Ausflug krönen.

 

Alles auf einen Blick

Offene Touren

Do., 20.04.2017 – 18:30 Uhr
Mi., 14.06.2017 – 18:30 Uhr
Fr., 08.09.2017 – 17:00 Uhr

Treffpunkt:
Stadthausbruecke 5 (Ecke Wexstrasse / Stadthausbruecke beim Schanzenbaecker).

Dauer: 2,5 Stunden

Preis: 13 €

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Veranstaltung-Nr.: 1003